Netzformen: TN-C-S, TT und IT
Die Netzform beschreibt, wie Stromquelle und Anlage geerdet sind. In deutschen Wohnhäusern ist das TN-C-S-Netz üblich: Ein PEN-Leiter kommt bis zum Hausanschluss und wird dort in Schutzleiter und Neutralleiter aufgeteilt. Im TT-Netz hat das Haus einen eigenen Erder, im IT-Netz ist der Sternpunkt isoliert.
Die Netzformen im Überblick
| Netz | Stromquelle | Schutzleiter | Einsatz |
|---|---|---|---|
| TN-C | Sternpunkt geerdet | gemeinsamer PEN-Leiter | nur noch in alten Anlagen und im Verteilnetz; PEN ab 10 mm² Cu |
| TN-S | Sternpunkt geerdet | getrennte PE- und N-Leiter ab Trafo | Industrie, Rechenzentren, Gebäude mit eigenem Trafo |
| TN-C-S | Sternpunkt geerdet | PEN bis zum Hausanschluss, danach getrennt | üblich im Wohnhaus in Deutschland |
| TT | Sternpunkt geerdet | Schutzleiter nur zum Anlagenerder im Haus | manche ländliche Netzgebiete, Baustellen, Camping |
| IT | Sternpunkt isoliert oder hochohmig | Körper einzeln oder gemeinsam geerdet | OP-Säle, Intensivstationen, Industrie mit Isolationsüberwachung |
Schutz bei Fehlern
Im TN-Netz fließt ein Fehlerstrom über den Schutzleiter zurück zum Trafo. Die Schleifenimpedanz muss so klein sein, dass der Leitungsschutzschalter rechtzeitig auslöst; prüfen lässt sich das mit dem Schleifenimpedanz-Rechner. Im TT-Netz übernimmt das der FI-Schalter. In beiden Netzen verbindet der Hauptpotentialausgleich Schutzleiter, Erder und metallene Rohre an der Potentialausgleichsschiene; den Erder im Neubau beschreibt die Seite Fundamenterder.
Die Netzform legt der Netzbetreiber fest. Arbeiten an der Elektroinstallation nur durch eine Elektrofachkraft.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Buchstaben bei TN und TT?
Der erste Buchstabe beschreibt die Stromquelle: T (terre) – der Sternpunkt ist direkt geerdet, I – isoliert. Der zweite die Körper der Anlage: T – eigener Erder, N – über den Schutzleiter mit dem Betriebserder verbunden. Beim TN-Netz folgen C (combined, gemeinsamer PEN-Leiter) oder S (separated, getrennte Leiter).
Welches Netz habe ich zu Hause?
Meist ein TN-C-S-Netz: Bis zum Hausanschlusskasten kommt ein PEN-Leiter, im Zählerschrank wird er in Schutzleiter und Neutralleiter aufgeteilt. Ob TN oder TT, steht in den technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers; im Zweifel fragt man dort oder den Elektroinstallateur.
Warum braucht man im TT-Netz einen FI-Schalter?
Im TT-Netz fließt ein Fehlerstrom über den Anlagenerder und das Erdreich zurück zum Trafo. Der Widerstand dieses Wegs ist zu hoch, als dass ein Leitungsschutzschalter schnell genug auslöst. Der FI-Schalter erkennt schon 30 mA und schaltet ab; dafür muss der Erdungswiderstand mal Bemessungsfehlerstrom höchstens 50 V ergeben.
Darf man PE und N nach der Aufteilung wieder verbinden?
Nein. Ist der PEN-Leiter einmal in PE und N aufgeteilt, dürfen beide danach nicht wieder verbunden werden. Sonst fließt Betriebsstrom über den Schutzleiter, und ein FI-Schalter löst aus oder schützt nicht mehr richtig.
Wofür wird das IT-Netz verwendet?
Wo ein erster Isolationsfehler nicht zur Abschaltung führen darf, etwa im Operationssaal oder in Produktionsanlagen. Der Sternpunkt ist isoliert, ein Isolationswächter meldet den ersten Fehler, erst ein zweiter Fehler führt zur Abschaltung.
Was ist ein PEN-Leiter?
Ein Leiter, der Schutzleiter (PE) und Neutralleiter (N) in sich vereint, gekennzeichnet grün-gelb mit blauen Markierungen an den Enden. Er ist nur in fest verlegten Leitungen ab 10 mm² Kupfer zulässig. Farben aller Leiter: Kabelfarben.